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Vorhofflimmern

Vorhofflimmern

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, die durch eine unkoordinierte Erregung der Vorkammern des Herzens und deren Funktionsverlust gekennzeichnet ist. Der Sinusknoten als eigentlicher Taktgeber des Herzens kann bei Auftreten von Vorhofflimmern nicht mehr „arbeiten“. Dadurch wird der Puls unregelmäßig; oft wird er zu schnell (>110/min), manchmal zu langsam. Die Diagnose erfolgt durch ein EKG, Langzeit-EKG oder Auslesen eines eventuell implantierten Herzschrittmachersystems. 

Im klinischen Alltag lassen sich vereinfacht 3 verschiede Typen von Vorhofflimmern unterscheiden: 

  1. Paroxysmales Vorhofflimmern: Die Episoden enden spontan, also von allein, in der Regel innerhalb von 48 Stunden, manchmal innerhalb von 7 Tagen.
  2. Persistierendes Vorhofflimmern: Vorhofflimmern hält länger als 7 Tage ununterbrochen an oder macht eine elektrische Kardioversion („Elektrostoß“) erforderlich.
  3. Permanentes Vorhofflimmern: Das dauerhafte Vorliegen von Vorhofflimmern wird durch Patient und Arzt akzeptiert. Eine Strategie mit Kardioversion bzw. Erhalt des natürlichen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wird nicht weiter verfolgt.

Häufigkeit und Beschwerdebild von Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung im Erwachsenenalter. Die Häufigkeit in der Bevölkerung wird auf 2-3% geschätzt. Somit betrifft Vorhofflimmern etwa 2 Millionen Menschen in Deutschland. Das Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken, nimmt mit steigendem Lebensalter deutlich zu. 

Vorhofflimmern als Herzrhythmusstörung ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, kann aber zu erheblichen Folgekrankheiten, insbesondere zum Schlaganfall, führen. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist bei Vorliegen von Vorhofflimmern um mindestens das 3-fache erhöht. Unabhängig hiervon kann auch die Lebensqualität durch Vorhofflimmern deutlich beeinträchtigt sein. Typische Symptome können Herzstolpern, Herzrasen, Schwindel, Brustschmerzen, Atemnot, Müdigkeit, häufiges Wasserlassen, Angst oder eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit sein. Nicht selten verursacht Vorhofflimmern aber auch keinerlei Beschwerden.

Ursachen von Vorhofflimmern

Zunehmendes Lebensalter, ein langjährig hoher Blutdruck, eine chronische Herzschwäche, Herzklappenerkrankungen, Zuckerkrankheit und Sauerstoffmangel des Herzens (koronare Herzkrankheit) sind besonders häufige Ursachen von Vorhofflimmern. Weitere anerkannte Risikofaktoren sind Alkoholkonsum, chronische Lungenerkrankungen, das obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, Übergewicht, Kardiomyopathien, Herzmuskelentzündungen und die Überfunktion der Schilddrüse. In etwa 10-30% der Patienten findet sich keine offensichtliche Begleiterkrankung („idiopathisches“ Vorhofflimmern oder „lone atrial fibrillation“). 

Unabhängig von der zu Grunde liegenden Erkrankung wird Vorhofflimmern direkt durch Extrasystolen („fokale Trigger“ oder „falsche Zündkerzen“) ausgelöst, die in den Lungenvenen (Pulmonalvenen) aufgrund von „versprengten“ Herzmuskelfasern entstehen. Weitere Faktoren, die zum Erhalt von Vorhofflimmern beitragen, sind vergrößerte, vernarbte oder verdickte Vorhöfe/Vorhofwände.

Therapie von Vorhofflimmern

Die Therapie von Vorhofflimmern beruht auf 3 Säulen. Frequenz- und Rhythmuskontrolle sind, medizinisch gesehen, gleichwertige Konzepte.

1. Blutverdünnung

Aufgrund des erhöhten Schlaganfallrisikos steht an erster Stelle die Prüfung, inwieweit eine Blutverdünnung notwendig ist. Die Empfehlung wird anhand einer individuellen Risikobewertung durch Ihre behandelnden Ärzte getroffen. Wenn eine Blutverdünnung notwendig ist, stehen je nach Risikoprofil und Nierenfunktion Vitamin K-Antagonisten wie Marcumar oder sog. neue orale Blutverdünner, wie Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban zur Verfügung.

2. Frequenzkontrolle (Belassen von Vorhofflimmern)

Ziel ist das Erreichen einer normalen Pulsfrequenz, ohne dass versucht wird, Vorhofflimmern zu beseitigen. Hierfür stehen Betablocker, Digitaliskörper oder Kalziumkanalblocker zur Verfügung. Schlägt der Puls bei Vorhofflimmern zu langsam, kann die Implantation eines Herzschrittmachers sinnvoll sein. Die Frequenzkontrolle ist vor allem eine Therapieoption bei Patienten mit geringer oder fehlender Beschwerdesymptomatik.

3. Rhythmuskontrolle (Wiederherstellung des Sinusrhythmus)

Ziel ist die Wiederherstellung des ursprünglichen Rhythmus (Sinusrhythmus). Dies kann durch antiarrhythmische Medikamente (z.B. Amiodaron, Flecainid, Propafenon, Dronedaron) oder eine Katheterablation erreicht werden. Manchmal ist auch eine elektrische Kardioversion hilfreich. Hier wird in Kurznarkose ein elektrischer Impuls auf das Herz abgegeben, der das Vorhofflimmern unmittelbar beendet und den Sinusrhythmus wiederherstellt. 

Aufgrund der Zunahme von Vorhofflimmern und der oftmals limitierten Effektivität der nicht immer nebenwirkungsarmen medikamentösen Rhythmuskontrolle hat die Bedeutung der Katheterablation in den letzten Jahren stetig zugenommen. Grundlage der Katheter-gestützten Therapie ist die Verödung des auslösenden Triggers („falsche Zündkerzen“) durch die elektrische Isolation der Lungenvenen („Pulmonalvenenablation“). 

Seit November 2015 steht im Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach neben der klassischen Punkt-für-Punkt-Ablation mittels Wärmeenergie auch die besonders schonende Cryo-Ablation zur Verfügung. Die Erfolgraten liegen bei etwa 80% für paroxysmales Vorhofflimmern bzw. 65-70% für persistierendes Vorhofflimmern. Komplikationen wie Perikardtamponade (<1%), Schlaganfall (<1%) oder eine dauerhafte rechtsseitige Zwerchfellparese (<1%) sind selten.

Die Rhythmuskontrolle stellt insbesondere für Patienten mit Beschwerden bzw. höherem Leidensdruck in Folge von Vorhofflimmern eine wertvolle Therapieoption dar.

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