Organisation
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Weaning

Weaning

Als Weaning (Entwöhnung) wird die Entwöhnungsphase vom Beatmungsgerät nach einem künstlichen Koma bezeichnet. Das vorher selbstverständliche selbständige Atmen wird neu erlernt. Das bedeutet mühsames Training für die Atemmuskeln unter Aufsicht eines speziell geschulten Pflege- und Ärzteteams. Unser Ziel ist es, die Intervalle ohne Beatmung auszudehnen und den Luftröhrenschnitt rückgängig zu machen. Dies bedarf viel Erfahrung.

Auch das Sprechen, Schlucken und Gehen werden durch Sprach-, Physio-, Ergo- und Atmungstherapeuten trainiert, um die Rückkehr ins häusliche Umfeld zu ermöglichen.

Information für Ärzte/zuweisende Kliniken:

Krankheitsbilder, die zum prolongierten Weaning führen können

  • Respiratorisches Versagen Typ I:
    hypoxämisches Lungenversagen bei
    - Pneumonie
    - Lungenembolie
    - Lungenfibrose
    - Atelektase
    - Pneumothorax
    - Lungenödem
  • Respiratorisches Versagen Typ II:
    hyperkapnisches Lungenversagen bei
    - Atemwegsobstruktion (COPD/ Asthma bronchiale)
    - thorakal-restriktiven Erkrankungen (Kyphoskoliose, OHS)
    - neuromuskulären Erkrankungen (ALS, Muskeldystrophie)
    - Atemanstriebsstörungen (Undine Syndrom, Apolex)
  • Postoperative respiratorische Insuffizienz
  • Postextubationsversagen

Konzept

Patienten, die nach einer Woche Entwöhnung immer noch beatmungspflichtig sind, benötigen eine besondere Kompetenz auf dem Gebiet des Weanings. Definitionsgemäß handelt es sich nach der internationalen Weaningklassifikation um Patienten der Gruppe 3: prolongiertes Weaning (Boles et al.; Eur Respir J 2007; 29: 1033 – 1056).

Täglich beurteilen wir kritisch das Weaningpotential und evaluieren die Bereitschaft zur Entwöhnung. Das Weaning findet in einem eigens dafür bereitgestellten Bereich, der respiratorischen Intensivstation (RICU), auf der interdisziplinären Intensivstation statt. Genau diese Interdisziplinarität ermöglicht uns eine ganzheitliche internistische und intensivmedizinische Sicht und gewährleistet, dass optimale Voraussetzungen für die Entwöhnung von der Langzeitbeatmung tatsächlich gegeben sind.

Wir beurteilen täglich auch die Kriterien zur „NIV-Fähigkeit“ im Weaningprozess und können die nicht invasive Beatmung (NIV) in der Postextubationsphase oder bei persistierender chronisch ventilatorischer Insuffizienz nach Weaning etablieren.

Der Weaningprozess verlangt eine intensive pflegerische Zuwendung. Unser Pflegeteam ist professionell geschult und hoch motiviert, betroffene Menschen vertrauensvoll während dieser schweren Zeit zu begleiten. Zum Team gehören auch Atmungstherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden, Psychotherapeuten und Seelsorger.

Patienten, die wir aus anderen Einrichtungen zum Weaning übernehmen, entlassen wir jederzeit nach Abschluss des Weanings auf Wunsch wieder heimatnah.

Stellen wir vorerst ein Weaningversagen fest, organisieren wir die Überleitung in die außerklinische Versorgung und evaluieren gerne das Weaningpotential zu einem späteren Zeitpunkt.

Ist die Beatmungstherapie nicht mehr indiziert, helfen wir individuell bei der Entscheidungsfindung am Ende des Lebens, welche Methode zur Beendigung der Beatmungstherapie die geeignetste ist (Terminales Weaning). Wir achten sorgfältig im Team auf die Vermeidung von Stress und unnötigem Leid bis zum letzten Atemzug.

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