Foto: Susanne Prothmann.
12.06.2026 Quirlsberg - Diakonischer Gesundheitscampus

GKV-Spargesetz: Gesundheitscampus Quirlsberg würden 5 Millionen Euro fehlen

Geplante Gesundheitsreform hätte Folgen für das EVK Bergisch Gladbach, die zugehörigen Pflegeeinrichtungen, Praxen und die Geburtshilfe.

Der Gesundheitscampus Quirlsberg schließt sich den bundesweiten Protesten gegen das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz an. Zu den Kritikern gehören unter anderem die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die Diakonie Deutschland und weitere Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften sowie zahlreiche Gesundheitseinrichtungen. Auch in Bergisch Gladbach hätte das Gesetz spürbare Folgen: Nach aktuellen Berechnungen würden dem Gesundheitscampus Quirlsberg allein im Jahr 2027 rund 5 Millionen Euro fehlen.

„Fünf Millionen Euro weniger pro Jahr sind für uns ein massiver Einschnitt“, sagt Geschäftsführer Sebastian Haeger. Betroffen wären nicht nur das Evangelische Krankenhaus Bergisch Gladbach, sondern auch die ambulante und stationäre Altenhilfe, die Praxen und medizinischen Versorgungszentren sowie weitere Angebote des Campus. „Dieses Geld fehlt am Ende für die Weiterentwicklung unserer Gesundheits- und Versorgungsangebote in der Region.“

Der Gesundheitscampus Quirlsberg ist ein gemeinnütziger Träger. „Wir erwirtschaften keine Gewinne für Aktionäre oder Eigentümer“, sagt Haeger. „Trotzdem müssen wir wirtschaftlich stabil arbeiten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist es dem Campus trotz immer schwieriger Rahmenbedingungen gelungen, jedes Jahr ein positives Jahresergebnis zu erreichen.“ Nur so können medizinische Versorgung, Pflege, Arbeitsplätze und Investitionen dauerhaft gesichert werden, betont Haeger.

Allein bis 2030 investiert der Gesundheitscampus rund 120 Millionen Euro in die Zukunft. Dazu gehören die neue Endoskopie, die noch in diesem Jahr fertiggestellt wird, ein neues OP-Zentrum mit ambulanten und stationären Operationssälen, ein neues Parkhaus und eine weitere Senioreneinrichtung. „Damit reagieren wir auf eine älter werdende Stadt und Region und auf den steigenden Bedarf an medizinischer und pflegerischer Versorgung“, so Haeger. „Einen großen Teil dieser Investitionen finanzieren wir aus eigener Kraft, weil öffentliche Fördermittel oft anderweitig verteilt werden.“

Besonders kritisch sieht Haeger, dass mit dem Gesetz auch die Finanzierung von Tarifsteigerungen eingeschränkt werden soll. „In den vergangenen Jahren wurde politisch viel dafür getan, Pflege und Gesundheitsberufe attraktiver zu machen. Faire Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal waren ausdrücklich gewollt. Genau das wird jetzt wieder infrage gestellt.“

Der Gesundheitscampus hat es geschafft, trotz Fachkräftemangel in den vergangenen Jahren zusätzliches Personal aufzubauen. Einstellungsstopps oder die Nichtübernahme von Auszubildenden wolle man unbedingt vermeiden, denn der Personalbedarf in Pflege und Medizin steigt weiter. „Die geplanten Kürzungen machen genau das schwerer. Wir brauchen mehr Menschen in Pflege und Medizin, nicht weniger“, sagt Haeger. „Gleichzeitig brauchen wir endlich eine echte Entbürokratisierung. Ärzte und Pflegekräfte müssen wieder mehr Zeit für die Menschen haben und weniger Zeit mit vermeidbaren Verwaltungsaufgaben verbringen.“

Ein besonders sensibles Thema ist die Geburtshilfe im Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach. Nach den aktuellen Plänen würden dem EVK künftig rund 500.000 Euro pro Jahr an Förderung für kleinere Geburtshilfen fehlen. „Unsere Geburtshilfe mit aktuell weniger als 600 Geburten pro Jahr lässt sich schon heute wirtschaftlich nicht kostendeckend betreiben. Trotzdem halten wir bewusst an diesem Angebot fest, weil es für viele Familien in der Region wichtig ist“, sagt Haeger. „Wir möchten die Geburtshilfe unbedingt erhalten. Dafür brauchen wir aber verlässliche politische Rahmenbedingungen und die Unterstützung der Menschen in Bergisch Gladbach und dem Rheinisch-Bergischen Kreis.“

Haeger stellt klar: „Unser Gesundheitssystem steht finanziell unter Druck. Natürlich muss deshalb über Einsparungen gesprochen werden. Alle Beteiligten müssen ihren Beitrag leisten. Mit dem aktuellen Gesetzentwurf wird aber mit dem Rasenmäher durch Bereiche gefahren, die erst in den vergangenen Jahren zu Recht gestärkt wurden: bei fairer Bezahlung, besseren Arbeitsbedingungen und mehr Personal in der Pflege.“

Kritisch sieht Haeger dabei das Eiltempo des Verfahrens. „Eine Reform mit solchen Folgen darf nicht im Schweinsgalopp im Sommer und parallel zur Fußball-WM durchgeboxt werden. Die Menschen müssen verstehen, welche Auswirkungen die Entscheidungen ihrer gewählten Politiker auf die Gesundheitsversorgung in Bergisch Gladbach und im Rheinisch-Bergischen Kreis haben.“ Abschließend sagt Haeger: „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen.“

Text: Daniel Beer