Die Intensivstation des Evangelischen Krankenhauses Bergisch Gladbach (EVK) hat eine neue pflegerische Leitung: Marcus Obermayer trägt ab sofort die Verantwortung für über 30 Pflegekräfte und die Versorgung der Intensivpatienten. Der 48-Jährige arbeitete zuvor auf der Intensivstation des Klinikums Solingen, wo er bereits stellvertretender Stationsleiter war. „Ich habe hier ein sehr professionelles, hoch motiviertes und engagiertes Team“, sagt Obermayer und freut sich auf seine neuen Aufgaben – auch trotz der Corona-Pandemie: „Intensivmedizin macht mir einfach Spaß.“
Obermayer ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt in Remscheid. Ein Wechsel mitten in der Corona-Pandemie ist sicher ungewöhnlich, aber „ich hatte hier direkt ein sehr gutes Gefühl“, wie er sagt. Die Arbeit insbesondere von Intensivpflegekräften erfährt in der Pandemie eine besondere Aufmerksamkeit. Viel zu tun hatten er und seine vielen Kollegen in Deutschland aber schon immer, wie Obermayer sagt: „Wir sind gut ausgelastet, aber nicht überlastet. Der Arbeitsaufwand ist uns nicht neu. Schon vorher hatten wir es mit schwerstkranken Patienten zu tun,die zum Teil isoliert werden mussten.“ Neu sei allerdings, dass sich der Zustand von COVID-Patienten vergleichsweise sehr schnell verschlechtern kann.
Stressige und schwierige Tage habe es schon immer gegeben, bestätigt auch seine Kollegin und Stellvertreterin Ingrid Knebel: „Wir haben Patienten schon immer auch im Sterbeprozess begleitet“, sagt sie. „Die Art und Weise hat sich aber verändert. Aufgrund der Isolation sind wir für Patienten und Angehörige oft die erste Bezugsperson im Sterbeprozess. Das geht natürlich ein stückweit an die eigene Psyche.“
Angst vor einer eigenen Infektion spüre er nicht, sagt Obermayer: „Wir sind geimpft, tragen unsere Schutzausrüstung und arbeiten höchst professionell und sicher. Dadurch sind wir gut geschützt.“ Das EVK reagiert dynamisch auf die nötige Versorgung von COVID-Patienten, wie der ärztliche Direktor Dr. med. Andreas Hecker und der Chefarzt der Pneumologie, Dr. med. Thomas Stevens, erklären. „Wenn wir mehr Pflegekräfte für die Intensivpflege benötigen, können wir diese beispielsweise von der Anästhesie-Pflege umorganisieren. Dieses Personal ist im Umgang mit Beatmungsgeräten geschult“, so Stevens. Am EVK stehen so durchschnittlich 12 bis 14 Intensivbetten zur Verfügung.
Das Krankenhaus steht dabei im permanenten Austausch mit Behörden und anderen Krankenhäusern bzgl. der Intensivbelegung. Dr. Hecker erklärt: „Wir verlegen von unserer Intensivstation Patienten lediglich bei entsprechender medizinischer Indikation, z.B. wenn das sogenannte ECMO-Verfahren zur Versorgung des Patienten nötig wird. Gleichzeitig nehmen wir auch Patienten aus dem regionalen Umland auf, wenn wir über freie Kapazitäten verfügen.“
Dieser permanente Austausch ist wichtig, denn weiterhin müssen auch Intensivplätze für Patienten bereitstehen, die z.B. einen schweren Unfall oder einen Herzinfarkt erlitten haben. Dr. Stevens: „Der Anteil der
aktuell zu belegenden Betten hängt natürlich von den COVID-Patienten ab.“ Medizinisch entwickelt sich die Pandemie ebenfalls weiterhin dynamisch. Schwer erkrankte Corona-Patienten bleiben aktuell deutlich länger auf der Intensivstation, weil sie in der dritten Welle jünger geworden sind. Die jungen Leute liegen länger auf der Intensivstation, weil ihre Widerstandsfähigkeit größer als bei älteren Patienten ist. „Momentan sind unsere Patienten mit Coronainfektion auf der Intensivstation durchschnittlich zwischen 50 und 60 Jahre, wir hatten aber auch schon Fälle mit Mitte 40. In diesen Altersgruppen können sich Patienten – generell gesprochen – auch nach wochenlanger Intensivbehandlung erholen“, so Dr. Hecker. Einen Grund dafür sieht Dr. Stevens in der guten Verbreitung der Corona-Schutzimpfung bei älteren Jahrgängen.
Eine harte Triage, also die Entscheidung, welcher Patient behandelt werden kann und welcher nicht, hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben. Stevens: „Meines Wissens ist so ein Fall in Deutschland
bisher nicht vorgekommen.“ Fakt ist aber auch: „Die Sterblichkeit bei schwerkranken Patienten, die beatmet werden müssen, ist hoch.“ Neben der allgemeinen körperlichen Verfassung spielen unberechenbare
Faktoren wie Antikörperbildung und Selbstheilungskräfte des Körpers eine große Rolle. Deshalb gilt: „Die Impfung ist unsere wichtigste Waffe im Kampf gegen das Virus“, so Dr. Stevens.
Und auch nach überstandener Infektion beginnt durch mögliche Langzeitfolgen, Long-Covid genannt, oft erst ein monatelanger Heilungsprozess. „In manchen Fällen bleibt ein Teil der Lunge für immer beschädigt“, sagt Dr. Stevens. Schwere Verläufe seien aber nicht vorhersehbar, wie Dr. Hecker ergänzt: „Viele Infizierte sind völlig asymptomatisch und werden nur durch Zufall positiv getestet.“
Für Pflegekräfte und Ärzte ist die Corona-Pandemie nach wie vor eine Herausforderung. Sie hoffen aber vor allem für die Zeit nach der Pandemie auf Unterstützung aus der Politik, um insbesondere den Pflegeberuf zu stärken, damit die aktuellen Kolleginnen und Kollegen dem Beruf treu bleiben und sich genügend junge Menschen für diesen Karriereweg entscheiden. Ingrid Knebel sagt: „Mein Beruf bereitet mir Freude. Wir bekommen sehr viel Wertschätzung von Patienten und Angehörigen, die uns auch mal ihr Herz ausschütten und für die wir eine seelische Stütze sind. Das ist sehr erfüllend.“
Text: Daniel Beer

