EVK-Chefarzt PD Dr. med. Fritz-Georg Lehnhardt (rechts) sprach als Experte in der RTL-Sendung „stern TV“ über Autismus bei Frauen - (Screenshot mit Genehmigung von I & U TV Produktion GmbH).
07.10.2022 Evangelisches Krankenhaus

EVK-Chefarzt sprach bei „stern TV“ über Autismus bei Frauen

Privatdozent Dr. med. Fritz-Georg Lehnhardt saß kürzlich als Studiogast in der RTL-Sendung.

Autismus bei Frauen thematisierte die RTL-Sendung „stern TV“ kürzlich und als Experte im Studio saß Privatdozent Dr. med. Fritz-Georg Lehnhardt, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Evangelischen Krankenhauses Bergisch Gladbach (EVK). Moderator Steffen Hallaschka wollte von dem Mediziner unter anderem wissen, warum Autismus bei Frauen wesentlich seltener und im Durchschnitt acht Jahre später als bei Männern diagnostiziert wird.

Dr. Lehnhardt erklärte dies mit dem Lebensalter, in dem eine Autismus-Diagnose häufig gestellt werde: „Wir sprechen hier in der Regel über das Kindesalter. Jungs mit Autismus fallen oft durch impulsives Verhalten auf, während Mädchen eher zurückhaltend sind, was von Eltern und Familie meist als normale Schüchternheit wahrgenommen wird. Außerdem können Mädchen oft das aus ihrer Sicht normale Verhalten anderer Menschen besser imitieren, um nicht aufzufallen.“

Menschen mit Autismus nehmen die Welt anders wahr und haben häufig Probleme mit sozialer Kommunikation und Interaktion sowie Reizverarbeitung. Ein typisches autistisches Verhalten gebe es jedoch nicht, erläuterte der EVK-Chefarzt. Deshalb wird in der Medizin inzwischen von Autismus-Spektrum-Störungen gesprochen, weil sich einzelne Autismustypen kaum voneinander abgrenzen lassen und es fließende Übergänge zwischen milden und stärkeren Autismusformen gibt.

Als weitere Interviewgäste saßen zwei betroffene Frauen im „stern TV“-Studio. Während bei Veronique Kouchev im Alter von damals 17 Jahren eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert wurde, hat Sandra Bänninger bis heute keine gesicherte Diagnose. Die Eindrücke des Beitrags vor der Talkrunde und in der Gesprächssituation würden dafür alleine nicht ausreichen, wie Dr. Lehnhardt auf Nachfrage erklärte: „Die Diagnostik braucht Zeit und unter anderem ein ausführliches Gespräch mit der Betroffenen und in der Regel auch mit Familienangehörigen über Verhaltensweisen in Kindheit und Jugend.“

Privatdozent Dr. Fritz-Georg Lehnhardt war von 2007 bis 2019 Mitarbeiter in der Spezialambulanz für Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Köln bei Prof. Dr. Dr. Kai Vogeley. Seine wissenschaftlichen Publikationen beschäftigen sich mit der Diagnostik und Differentialdiagnose von Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter und unter anderem auch mit der Differenzierung eines weiblichen autistischen Erscheinungsbilds. Er habilitierte 2016 zu dem Thema „Der hochfunktionale Autismus im Erwachsenenalter.“

Die Sendung vom 28. September ist in der Mediathek von RTL und auf der Facebook-Seite von „stern TV“ abrufbar.

Text: Daniel Beer