Foto: EVK BG - Beatrix Rey, Leiterin der Koordinationsstelle Selbsthilfe am Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach.
26.07.2021 Evangelisches Krankenhaus

Gegenseitige Hilfe in schwierigen Situationen

Das Evangelische Krankenhaus Bergisch Gladbach unterstützt Betroffene aktiv beim Thema Selbsthilfe.

Geteiltes Leid ist halbes Leid, sagt der Volksmund. Und verweist damit auch auf das Prinzip der Selbsthilfe. Am Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach (EVK) werden Betroffene beim Thema Selbsthilfe aktiv unterstützt. Das ist für ein Krankenhaus alles andere als üblich. Aber sehr hilfreich für Betroffene. „Selbsthilfe bedeutet, sich in schwierigen Situationen in der Gruppe gegenseitig zu unterstützen“, bringt Beatrix Rey das Prinzip auf den Punkt. Die Sozialtherapeutin leitet die Koordinationsstelle Selbsthilfe am EVK.

Selbsthilfe ersetze nicht das Gesundheitssystem mit Ärzten, Praxen und Krankenhäusern, aber es könne dieses sinnvoll ergänzen. „Die Erfahrung der Betroffenen spielt dabei eine große Rolle: Sie kennen das Problem, über das sie sprechen. Das ist nicht zuletzt ein Vorteil für Krankenhäuser“, macht Rey deutlich.

So könnten Menschen aus der Selbsthilfe den Erkrankten beiseitestehen. Zum Beispiel vor großen Operationen: Wie ist der weitere Genesungsverlauf? Was gibt es an Unterstützung? Worauf muss ich mich einstellen? Dies sind Fragen, die zum Beispiel Betroffene aus der Frauenselbsthilfe bei Krebs gut beantworten können, berichtet die Sozialtherapeutin. So unterstützt die Selbsthilfe, um pragmatisch, aber auch auf psychischer Ebene in verschiedenen Lebenslagen besser klarzukommen.

Gemeinsam statt einsam

Das Engagement könne gleichwohl weit über gegenseitige Information und Unterstützung hinausragen. Mitunter reiche dies bis zu gesellschaftlichen Aktionen, schildert Beatrix Rey. Als Beispiel nennt sie die Förderung barrierefreier Innenstädte. „Gemeinsam statt einsam“, lautet die Devise.

Die Idee der Selbsthilfe gibt es schon lange. Geboren wurde sie in den mittelalterlichen Gilden. Sie fand ihre Fortsetzung in den großen Selbsthilfeorganisationen wie der Lebenshilfe oder den Anonymen Alkoholikern, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. In den 1970er Jahren entstanden viele kleine örtliche Selbsthilfegruppen, die sich heutzutage teils in großen Dachorganisationen zusammengeschlossen haben. Die Rheuma-Liga oder die Deutsche Tinnitus Liga sind gute Beispiele dafür.

Das EVK hat bereits 1998 damit begonnen, auf das Prinzip Selbsthilfe zu setzen. Da mehr als zwei Drittel der Selbsthilfegruppen im Gesundheitsbereich angesiedelt sind, lag es nahe, eine Koordinationsstelle im Krankenhaus einzurichten. Ein Novum im Gesundheitssektor, initiiert durch den Geschäftsführer Dr. Harald Januschewski.

Das Prinzip erlaubt es, Behandlung und Nachsorge von Erkrankten optimal zu vernetzen. Ziel ist es, die gesundheitlichen, sozialen und seelischen Schwierigkeiten von Erkrankung gemeinsam mit anderen zu verringern beziehungsweise auflösen.

Und dies geschieht auf unterschiedlichen Ebenen. So informiert Beatrix Rey die Betroffenen zunächst einmal über bestehende Angebote der Selbsthilfe. Dazu gehört unter anderem auch die Klärung, ob eine Selbsthilfegruppe wirklich passt, oder – im Falle psychischer Erkrankungen – nicht vielleicht eine Therapie die bessere Wahl ist. „Dabei bin ich Ansprechpartnerin von Betroffenen und Ärzten gleichermaßen“,
macht Rey deutlich.

Unterstützung bei der Gruppengründung

Zudem berät sie bei der Neugründung von Selbsthilfegruppen. Dabei geht es vor allem um die Ziele, organisatorische Rahmenbedingungen der Treffen (Gruppengröße, Frequenz der Treffen, Abläufe etc.), Unterstützung beim Suchen von Räumlichkeiten sowie in der Öffentlichkeitsarbeit. Auf Wunsch werden erste Treffen der neuen Gruppen auch von Beatrix Rey begleitet. „Das kann helfen, die Hemmschwelle zu überwinden“, meint Rey, „und den Gruppenprozess in Gang zu bringen.“

Einige Themen sollen mitunter auch nicht offensiv unter Nennung der Gruppensprecher bekannt gemacht werden. Hierzu gibt es Möglichkeiten, das Angebot unter Schutz von Namen und Kontaktadresse zu veröffentlichen und Interessenten vertraulich zu vermitteln.

Darüber hinaus betreut Rey den von ihr initiierten Selbsthilfetag, der alle zwei Jahre im Kreis stattfindet, und organisiert die Fortbildung der Selbsthilfegruppen mit regelmäßigen Veranstaltungen zu relevanten Themen: Wie gewinne und integriere ich neue Gruppenmitglieder? Wie löse ich Kommunikationsprobleme in der Gruppe? Wie gestalte ich das Gruppenleben? All dies sind Themen, welche die Gruppensprecher intensiv beschäftigen. Die Fortbildungen sind stark nachgefragt und werden nach der Pandemie fortgeführt.

Zudem ist Beatrix Rey in der Vermittlung von Betroffenen an Selbsthilfegruppen aktiv. Dies kann dann wichtig werden, wenn Selbsthilfegruppen zur Unterstützung von Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch genommen werden sollten. Operationen am Magen sind hier ein häufig anzutreffendes Beispiel.

Wer Fragen zur Selbsthilfe hat, eine Gruppe gründen möchte oder ein entsprechendes Angebot sucht, der kann sich mit Beatrix Rey in Verbindung setzen. Als Koordinationsstelle im Krankenhaus ist sie mit Einrichtungender Selbsthilfe wie zum Beispiel mit der Selbsthilfekontaktstelle Bergisches Land eng vernetzt. Die gegenseitige, enge Kooperation gehört zur Tagesordnung. „Selbsthilfe wirkt“ ist das Prinzip, dem alle
verpflichtet sind.

Ihre Ansprechpartner am EVK
Koordinationsstelle Selbsthilfe
Beatrix Rey
Tel.: 02202 122 – 3132
E-Mail: selbsthilfe@evk.de

Text: Holger Crump