14.03.2015

Modernste Geräte und „Medizin für die Seele“

50 Jahre Förderverein des Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach: Jubiläumsfeier beginnt mit Festakt, Tag der offenen Tür, Festgottesdienst und Fotoausstellung

Der Auftakt war ein voller Erfolg. Mit einem Festakt, einem Tag der offenen Tür, einem Festgottesdienst und einer Ausstellungseröffnung hat der Förderverein des Evangelischen Krankenhauses Bergisch Gladbach sein 50-jähriges Bestehen gefeiert – und es stehen immer noch zwei außergewöhnliche Veranstaltungen im Juni (Benefiz-Golfturnier) und im August (Auftritt Schlagerstar Claudia Jung) auf dem Programm.

„Wir sind ein Geldsammelverein“, räumte die Vorsitzende des Fördervereins, Cornelia Lübbe-Roggen, in ihrer Begrüßung zu Beginn des Festaktes im EVK-Forum ganz offen ein. Sie erinnerte an viele hochwertige Geräte, die mit Hilfe der eingenommenen Gelder angeschafft werden konnten, aber auch praktische Möbel sowie Musikinstrumente und Sportgeräte. Als „festen Bestandteil des Soziallebens unserer Stadt“ bezeichnete Bürgermeister Lutz Urbach in seinem Grußwort den Förderverein, dessen Unterstützung für das Evangelische Krankenhaus Bergisch Gladbach nicht hoch genug eingeschätzt werden könne. Das EVK genieße einen „hervorragenden Ruf weit über die Stadt Bergisch Gladbach hinaus“ und die 300 Mitglieder des Vereins trügen zu diesem Ruf einen guten Teil bei. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Evangelischen Kliniken Rheinland gGmbH, Norbert Lenke, wies auf den verstärkten Wettbewerb unter den Krankenhäusern hin, dem sich auch die konfessionellen Häuser stellen müssten. Angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sei es jedoch sehr wohltuend, wenn man als Gesellschafter einen Verein habe, „dem nicht an der Dividende, sondern an der bestmöglichen Versorgung der Bevölkerung gelegen ist“, so Lenke.

Wie segensreich die vielen medizinischen Geräte eingesetzt werden, die mit Hilfe des Fördervereins angeschafft worden sind, zeigten die vielen interessanten Präsentationen der Chefärzte. Moderiert haben die Runde die frühere Chefärztin der Radiologie, Dr. med. habil. Gudrun Lasek, sowie der frühere Chefarzt der Kardiologie, Prof. Dr. med. Peter Schweizer.

Der Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, Dr. med. Andreas Hecker, und der Chefarzt der Frauenklinik, Prof. Dr. med. Christian Rudlowski, traten gemeinsam auf, um die Vorzüge des 3-D-Laparoskopieturms zu veranschaulichen. Aber auch, um deutlich zu machen, wie intensiv der fachübergreifende Austausch am EVK ist. „Viele Erkrankungen sind organübergreifend und müssen auch interdisziplinär diagnostiziert und behandelt werden“, erklärte Dr. Andreas Hecker. So haben er und Prof. Rudlowski bei einer Patientin mit Eierstockkrebs zunächst mit Hilfe des 3-D-Turms ausschließen können, dass sich im Bauch bereits Metastasen gebildet hatten, bevor sie mit der Chemotherapie begonnen haben. Deutlich gemacht haben beide Mediziner, dass die Partnerschaft zwischen ihnen nicht nur medizinisch und  strategisch begründet ist, sondern auch eine freundschaftliche Basis hat.

Das vom Förderverein mitfinanzierte spezielle Röntgengerät ermöglicht die operative Behandlung von Bauchaorten-Aneurysmen, wie Chefarzt Dr. Klaus Bieber eindrucksvoll schilderte. Der von ihm vorgestellte Patient mit einer sehr großen Erweiterung freut sich dank des lebensrettenden Eingriffs am EVK bester Gesundheit und feierte bereits seinen 90. Geburtstag. Hierzu bat er statt um Geschenke um Spenden für den Förderverein und konnte so stolze 1640 Euro überreichen. Weil mittlerweile aufgrund der zahlreichen verschiedenen Gefäßverschlüsse oder Gefäßerweiterungen an ein und demselben Patienten sowohl die klassische offene Gefäßchirurgie notwendig ist als auch die modernen endovaskulären (also minimal-invasiven) Eingriffe angewandt werden können, plädierte Dr. Klaus Bieber vehement dafür, beide Operationstechniken den angehenden Gefäßchirurgen zu vermitteln, damit sie im OP auf alle Situationen bestens vorbereitet sind.

Von einem ganz dramatischen Fall berichtete der Chefarzt der Kardiologie, Prof. Dr. med. Hans-Peter Hermann. Auf der Intensivstation musste ein Patient 24 Mal innerhalb von 24 Stunden mit einem Herzstillstand zurück ins Leben geholt werden. Dr. med. Heinz Christian Rieband, Chefarzt der Gastroenterologie, berichtete auf sehr eindrucksvolle Art und Weise von einem Patienten, der trotz  Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Hilfe eines speziellen Medikaments zwölf Jahre überlebte und zu dem Dr. Rieband eine persönliche Beziehung aufgebaut hat. Wie unklar häufig die Regelungen in Patientenverfügungen sind, zeigte der Chefarzt der Anästhesie, Dr. med. Manfred Molls, am Beispiel eines Patienten mit Dünndarmdurchbruch und Multiorganversagen, der dank intensiver Anstrengungen der Ärzte und Pfleger am EVK nach drei Monaten vollständig genesen ist. Den schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn beschrieb Dr. med. Heinrich Knott. Der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik führte als Beweis den Komponisten Robert Schuman (bipolare Störung) und den Maler Vincent van Gogh (Verdacht auf Schizophrenie) ins Feld.

Von einer „bemerkenswerten Bewohnerin“ des Helmut-Hochstetter-Hauses berichtete Christina Schulte-Mantel. Die Leiterin der Evangelischen Altenpflege stellte Frau F. vor, die an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS litt und die nicht mehr sprechen und nicht mehr selbständig essen konnte und sich sogar an ihrem eigenen Speichel verschluckte. „Sie war auf viel Hilfe angewiesen“, berichtete Christina Schulte-Mantel. Gleichzeitig war die Dame geistig völlig klar und wusste genau, was sie wollte und was nicht. Und das hat sie immer wieder sehr deutlich gemacht. Noch einmal auf die Kirmes und Riesenradfahren, das war so ein Wunsch, den sie, wie ein Foto eindrucksvoll zeigte, gemeinsam mit ihrem Lebenspartner realisierte. Frau F. konnte zwar nicht sprechen, aber mit Hilfe eines Sprachcomputers kommunizieren. Und sie schrieb einen bewegenden Brief an die Pflegerinnen und Pfleger des Helmut-Hochstetter-Hauses, der mit diesem Satz endetet: „Ich bin froh und dankbar, hier bei Ihnen in guter Fürsorge zu sein.“

In seinem Schlusswort bezeichnete EVK-Geschäftsführer Dr. Harald Januschewski den Förderverein als verlässlichen Begleiter, der viel dafür getan habe, dass sich das EVK in so guter Verfassung wie jetzt präsentieren könne. Das Bonner Saxophon Ensemble hat den Festakt musikalisch schwungvoll begleitet.

Tag der offenen Tür gewährt spannende Einblicke
Einen guten Überblick über das Leistungsspektrum konnten sich die zahlreichen Besucherinnen und Besucher beim Tag der offenen Tür am EVK verschaffen. Beispiel Herzkatheterlabor: Assistenzarzt Simon Herkenrath zeigte anhand einer kurzen Filmsequenz, die beim Röntgen gemacht wurde, wo ein Herzkranzgefäß verschlossen ist. Mit Hilfe einer Ballondilatation werden solche Engstellen geweitet und mit einem Stent stabilisiert. Diese sind mit Medikamenten beschichtet, „um den Entzündungsreiz zu reduzieren“, erklärte der Mediziner. Im vergangenen Jahr führten die Ärzte am EVK rund 1800 Herzkatheteruntersuchungen durch. Neben moderner Technik gab’s auch Technikgeschichte zu bestaunen. Auf einem Tisch waren Defibrillatoren, Ereignisrekorder sowie Herzschrittmacher aus früheren Jahren versammelt.  

Knie, Hüfte, Schulter: Egal, welches Großgelenk des menschlichen Körpers verschlissen ist und erneuert werden soll, die Unfallchirurgie am EVK kann helfen. Gennaro Manzo demonstrierte an Modellen, wie ein künstliches Gelenk implantiert wird. Die Besucher konnten selbst die verschiedenen Prothesen in die Hand nehmen und miteinander vergleichen. Auch die umfangreichen Werkzeuge samt Schablonen lagen zum Anschauen und Anfassen bereit. Die vielen Werkzeuge ermöglichen ein genaues Arbeiten. „Nur mit Hilfe der verschiedenen Schablonen können wir die Prothesen exakt einbauen“, erklärte Gennaro Manzo. Mit oder ohne Zement: Die meisten Prothesen werden zwar zementfrei fixiert, aber bei fünf bis zehn Prozent der Patienten ist eine Befestigung mit Zement sinnvoll. Meist entscheidet sich dies erst während des Eingriffs. „Deshalb ist es wichtig, dass wir im OP sämtliche notwendigen Materialien vorrätig halten“, so Gennaro Manzo.

Über ein volles Haus freuten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geburtsklinik. Hier gab’s Kreißsaalführungen und umfangreiche Informations- und Verkaufsstände rund um die Geburt. Die rosa Zuckerwatte war der Renner und der neue Fotoservice stellte sich vor. Das erste Bild vom Baby gibt’s demnach umsonst, alle weiteren Bilder können erworben werden. Viermal pro Woche ist der Fotograf am EVK. Und dass trotz des Tages der offenen Tür Geburten möglich waren, zeigte Ronja. Sie ließ sich vom ganzen Trubel nicht beirren und kam in einem „Not-Kreißsaal“ wohlbehalten auf die Welt.

Auch die anderen Fachabteilungen stellten sich vor. Die Gefäßchirurgie informierte über das Bauchaortenaneurysma, die RNR-Radiologie und –Nuklearmedizin am EVK zeigte, wie moderne Brustdiagnostik vonstattengeht und in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik gab es unter anderem eine Einführung in die Musiktherapie, Ergotherapie und Gedächtnistraining.

Im Eingangsbereich des EVK auf der Empore empfingen die „Grünen Damen und Herren“ die Besucher, und die Diakoniestation („Essen auf Rädern“) informierte über ihr Angebot genauso wie die Evangelische Altenpflege. Der Gesundheitsstandort rund um den Quirlsberg wächst, deshalb warteten die Aura-Apotheke und der SalzDom mit einem umfangreichen Programm auf. Hierzu zählten eine kostenlose Haut- und Pflegeberatung und Informationen zur Atemtherapie. Die Munny Orthopädie GmbH informierte über orthopädische Hilfsmittelversorgung für das diabetische Fußsyndrom.

Festgottesdienst mit „Medizin für die Seele“
Der evangelische Krankenhausseelsorger Dr. Rainer Fischer rief während des Festgottesdienstes den eigentlichen und ausführlichen Namen des Fördervereins ins Gedächtnis: „Verein zur Förderung evangelischer Wohlfahrtspflege Bergisch Gladbach“ und übersetzte den „altmodisch“ klingenden Begriff „Wohlfahrt“ mit dem Wort „Wellness“. Dieser habe verschiedene Dimensionen: die Gesundheit des Körpers, die Ausgeglichenheit der Seele und eine gelungene Lebensgestaltung. In der Bibel werden diese Ebenen mit einem Begriff auf den Punkt gebracht, so Dr. Rainer Fischer: Schalom, Frieden.

Im Zusammenhang mit dem 50-jährigen Jubiläum des Fördervereins ist viel von neuen Geräten und anderen Anschaffungen die Rede. Doch Genesung hat natürlich noch eine andere, eine spirituelle Komponente. Deshalb kündigte Pastor Dr. Fischer „Medizin für die Seele“ an und verwies auf ein mehrere hundert Jahre altes Ölgemälde, das Christus als Apotheker zeigt, der vor sich verschiedene Gefäße mit verschiedenen Inhaltsstoffen hat wie zum Beispiel den Geist der Weisheit, den Geist der Kraft, den Geist der Liebe und des Friedens.

Auch in der Gnadenkirche waren Gefäße mit solchen Beschriftungen aufgebaut und Mitarbeiter des EVK illustrierten die Bedeutung. Zum Beispiel Thomas Stokowy, der über die Kraft sprach, die die Patienten zur Genesung benötigten oder wenn aus einer akuten eine chronische Erkrankung erwachse. Zum Begriff „Rat“ sagte der Chefarzt der Frauenklinik, Prof. Dr. med. Christian Rudlowski, er wünsche sich genügend Zeit, um den Patienten den gewünschten Rat geben zu können. Zur  „Einigkeit“ meinte die Leiterin der Hauswirtschaft, Christiane Kacinari, alle Patienten - egal welcher Herkunft - sollten sich bestens betreut fühlen. „Vertrauen“ sei die Basis für die Gespräche, die die Grünen Damen und Herren mit den Patienten am EVK führen, erklärte Traudi Winkler. „Weisheit“, meinte Sabine König von der Krankenpflegeschule, sei mehr als nur Wissen anzuhäufen. Es sei vielmehr Lernen mit Kopf und Herz, es ginge darum, Einfühlungsvermögen zu entwickeln und den ganzen Menschen zu sehen.

Viele moderne bunte Bilder und ein alter Oscillograph
Nach Ende des Gottesdienstes traten viele Besucher den Weg Richtung EVK an, um hier einer spannenden Ausstellungseröffnung beizuwohnen. Groß und bunt präsentierten sich 14 Fotografien im Format 80 auf 120 Zentimeter. Unter dem Titel „Wohlfahrt meint den ganzen Menschen“ haben Theresa Johann und Regina Ott, zwei Auszubildende des international renommierten Fotostudios Manfred Esser aus Bergisch Gladbach, Medizingeräte abgelichtet und diese künstlerisch bearbeitet.

Zu sehen sind Geräte und Hilfsmittel, die der Förderverein des EVK mitfinanziert hat. Dazu zählen ein „Snoozle“-Wagen im Seniorenheim, ein „Geburtsrad“ im Kreißsaal, ein C-Röntgenbogen aus dem OP, die Ausstattung des Schlaflabors, kardiologisches Monitoring, aber auch die Truhenorgel in der Kapelle.

„Unser Ziel war es, die Geräte so aufzunehmen und zu bearbeiten, dass das Ergebnis eine interessante Kunstausstellung ist“, erklärte Theresa Johann. Zur Ausstellungseröffnung erinnerte Pastor Dr. Rainer Fischer an die ersten Geräte, die mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins angeschafft worden sind und nannte hier einen Kleinbus sowie eine Waschmaschine. Historisch wurde es auch, als Sabine König, Lehrerin an der Krankenpflegeschule, und Pflegedienstleiter Thomas Stokowy ein Gerät aus früheren Jahren in die Höhe hielten. Der „Oscillograph zur doppelseitigen Pulsschreibung“ ist klein und handlich und lässt sich wie eine Armbanduhr aufziehen, damit die Pulsschreibung auch ganz ohne Stromnetz funktioniert.